Sanft schlängelt sich der Fluss durch die Stadt. Die Menschen beugen sich über die Brückengeländer, begutachten neugierig das dunkle Wasser, genießen den Blick, knipsen Erinnerungsfotos. Die Pegnitz ist eines der Wahrzeichen der Stadt.
Nur, dass sie nicht so prominent hervorsticht wie die wuchtigen Bauwerke, die in den Himmel ragen. Sie ist einfach da, sie war schon immer da. Sie schenkt einen Moment der Ruhe für all jene, die nach schnellen Erledigungen in der Stadt kurz innehalten wollen. Das Wasser zieht die Menschen an, seit jeher. Das ist wohl auch der Grund, warum Nürnberg überhaupt entstanden ist. Die „Bengertz“, wie wir liebevoll unser Fließgewässer nennen, war früher vieles: Wirtschaftsmotor, Kloake, Müllabfuhr und Nahrungslieferant. Der Fluss hatte für Nürnberg und seine Entwicklung durch die Jahrhunderte eine immense Bedeutung. „Und dass, obwohl die Pegnitz nie schiffbar war“, erklärt Gabriele Hahn, die stellvertretende Vorsitzende der Altstadtfreunde.
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Auch wuchs Nürnberg nicht an einer Uferseite entlang, wie viele andere Städte, sondern um den Fluss herum. So liegt die Stadt also zu beiden Seiten der Pegnitz, die das Stadtgebiet auf einem rund 14 Kilometer langen Abschnitt von Ost nach West durchquert. Die Pegnitz hatte eine Funktion die Nürnbergs Wachstum und wirtschaftliche Entwicklung förderten. So zum Beispiel war sie die Müllabfuhr der Stadt. „Die Schlachter und Gerber beispielsweise warfen ihre Abfälle in den Fluss, die Strömung trug sie fort“, sagt Gabriele Hahn. Eine andere Müllentsorgung gab es im mittelalterlichen Nürnberg nicht. Auch der Inhalt der Nachttöpfe und die Fäkalien der sieben öffentlichen „Bedürfnisanstalten“ landete in der Pegnitz.
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Obwohl als Kloake genutzt, war sie ein fischreiches Gewässer und versorgte die Bevölkerung mit Bachforellen und Steinkrebsen. Ihr Strom trieb ab dem 13. Jahrhundert zudem die verschiedenen Mühlen der Stadt an. Außerdem förderte die Wasserkraft die Innovation: Im Jahr 1390 beispielsweise errichtete der reiche Nürnberger Unternehmer Ulmann Stromer die erste Papiermühle nördlich der Alpen, die Hadermühle, und legte damit den Grundstein für die Massenproduktion von Papier. Ab 1408 wurde Nürnberg dank der Sandmühle ein führender Standort für die Drahtherstellung.
Doch die Pegnitz hatte noch einen indirekten Entwicklungseffekt, der der Noris zugute kam. Sie spornte die hellen Köpfe der Stadt zu Ingenieurleistungen an: Es mussten schon früh Brücken gebaut werden, um die beiden Teile der Stadt, den Norden und den Süden, zu verbinden. „Die wichtigste und auch die eindrucksvollste Brücke war und ist die Fleischbrücke, die 1596 gebaut wurde“, erklärt Gabriele Hahn. „Sie ist aus einem Bogen gebaut“. 2010 erhielt sie die Auszeichnung „Historische Wahrzeichen der Ingenieursbaukunst in Deutschland“. Aktuell befinden sich laut Stadt 41 Brücken und Stege im Stadtgebiet.
Heute ist Nürnbergs nasses Wahrzeichen vor allem ein Garant für schöne Touristenfotos, bietet Freizeitwert und Naherholung. Die klassische wirtschaftliche Bedeutung des Flusses hat abgenommen.
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Außerhalb der Stadt sind Kanuten und Kajakfahrer auf der Pegnitz unterwegs. Beim Fuchsloch surfen die Wellenreiter auf der Pegnitzer „Dauerwelle“, einige der gefragtesten Bars in der Stadt haben ihre Außenterrassen an der oder hin zur Flussseite. Kein Wunder, der Blick auf einen Fluss zieht die Menschen an. Und auch die Tierwelt lebt von und mit der Pegnitz. Abgesehen von den 28 Fischarten gibt es verschiedene, oft bedrohte Insekten-, Pflanzen- und Vogelarten. Unter anderem wurde der Kurzschwänzige Bläuling, ein Schmetterling, der in Bayern als ausgestorben galt, im östlichen Pegnitztal wieder entdeckt. Genau wie, laut Stadt Nürnberg, 157 weitere Tierarten, die in Bayern auf der roten Liste stehen.
Der Fischereiverein Nürnberg pflegt die Fischbestände. Und: Die „Bengertz“ ist ein Trumpf im Kampf gegen den Klimawandel. Wird es in der aufgeheizten Stadt zu warm, sorgt der Fluss mit seiner Pflanzenwelt für Abkühlung; an drei Stellen ist er im Stadtgebiet zugänglich: An der Insel Schütt, am Nägeleinsplatz und am Kontumazgarten. Kein Wunder, dass die Pegnitz die Menschen auch in Zukunft weiter in ihren stillen, sanften Bann ziehen wird.
Tanja Toplak-Páll